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Kindersoldaten

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Vergangenheit und Zukunft: Catalina* und Manuel* teilen beides miteinander. Als Kindersoldaten in Kolumbien mussten sie viel Gewalt und Leid erfahren. Dank Don Bosco konnten sie wieder in ein normales Leben zurückfinden und fühlen sich jetzt als Botschafter des Friedens.

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Noch heute hat Manuel Alpträume von seiner Zeit als Kindersoldat. Die Vergangenheit hat tiefe Narben bei ihm hinterlassen. Zusammen mit seinem älteren Bruder schloss er sich freiwillig einer Guerilla-Gruppe an.

Als Kind in der Guerilla

„Die Rebellen und vor allem ihre Waffen faszinierten uns. Das Leben der jungen Soldaten wirkte auf uns wie ein spannendes Abenteuer", erklärt der 19-Jährige, der zurzeit eine Ausbildung in der Ciudad Don Bosco in Medellín macht. Was es wirklich bedeutete, Dienst an der Waffe zu tun und den Rebellen zu folgen, konnten die Brüder damals noch nicht überschauen.

Bald holte sie die harte Realität ein. Sie mussten nachts Wache schieben, hatten kaum Schlaf und oft Hunger. Menschliche Wärme oder Zuneigung kannten sie nicht. Drogen halfen ihnen, den Hunger und auch die willkürliche Gewalt zu ertragen. Schon bald bereuten sie es, sich der Gruppe angeschlossen zu haben. Doch ein Zurück gab es nicht mehr.

Manuel riss mit acht Jahren zusammen mit seinem Bruder von zu Hause aus. Seine Familie lebte in großer Armut und hatte nicht genug zu essen. Die Brüder lebten auf der Straße, schlugen sich mit Gelegenheitsjobs durch oder auch kleinen Diebstählen. Das schlimmste Erlebnis für Manuel war der Tod seines Bruders.

Der Tod des großen Bruders

Bis heute hat Manuel den Verlust nicht überwunden. Sein Bruder wurde von der eigenen Truppe erschossen – wegen Ungehorsams. Mehrmals war er von dem Kommandanten verwarnt worden, weil er sich Befehlen widersetzte. Dann wurde er am helllichten Tag exekutiert. „Wir umarmten uns und dann sagte er nur: ‚Pass auf dich auf. Ciao.’ Ich sah ihn nie mehr wieder.

Mit diesem Erlebnis hat sich für mich alles verändert. Ich hatte nicht nur meinen Bruder, sondern auch meinen einzigen Vertrauten und Freund verloren", erzählt Manuel mit gebrochener Stimme. Danach wollte Manuel nicht mehr bei der Truppe bleiben und entschloss sich, zu fliehen. Im Andenken an seinen Bruder hat er sich seinen Namen auf die Fingerknöchel tätowieren lassen.

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Catalina tanzt gerne, am liebsten Flamenco und Tango. Der Tanz hilft ihr, die Vergangenheit zu vergessen. Eine Vergangenheit, die von Gewalt, Missbrauch und Unsicherheit geprägt ist. Die 19-Jährige war ebenfalls Kindersoldatin in Kolumbien - genau wie Manuel.

Flucht als Ausweg

Catalina verlor während ihrer Zeit bei den Rebellen ihren Lebensgefährten. Auch sie schloss sich  der Guerilla freiwillig an. „Ich lief mit 13 Jahren von zu Hause weg, weil mein Stiefvater ständig betrunken war und mich verprügelte. Er versuchte sogar, mich zu vergewaltigen.“ Doch ihre Mutter, der sie sich anvertraute, glaubte ihr nicht.

Dann begann sie, Drogen zu nehmen, und lebte fast nur noch auf der Straße. Auch ein Selbstmordversuch liegt hinter ihr. Als ihr Freund bei einem Militärangriff ums Leben kam, wollte sie nur noch weg von den Rebellen. Er war der einzige, der ihr ein Stück Sicherheit und Geborgenheit geben konnte.

Auf ihrer Flucht erzählte ihr jemand von Don Bosco und sie suchte das Zentrum für ehemalige Kindersoldaten in Medellin auf. Dort wurde sie herzlich aufgenommen und fühlte sich willkommen. Mit professioneller Hilfe konnte sie auch ihre Traumata überwinden.

Die junge Frau blickt jetzt zuversichtlich in die Zukunft und möchte andere vor diesem Schicksal bewahren. Deshalb reist sie auch mit Manuel durch Europa.

Auch mit ihrer Mutter hat sie sich wieder ausgesöhnt. Das macht sie sehr glücklich. Vor der Zukunft hat sie nun keine Angst mehr. „Ich möchte Krankenschwester werden und anderen Menschen helfen. Das habe ich auch meiner Mutter versprochen."
 

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Im Zuge des neuen Friedensabkommens zwischen der kolumbianischen Regierung und der Rebellengruppe FARC wurden im November 2016 erste Kindersoldaten freigelassen. Die Rekrutierung von Kindern wurde in Kolumbien nicht nur von der FARC, sondern auch von den ELN- Rebellen und anderen paramilitärischen Vereinigungen vollzogen. Zehntausende wurden allein von den FARC-Rebellen rekrutiert.

Obwohl der Einsatz von Kindern in bewaffneten Konflikten strafrechtlich geahndet wird, sind nach Angaben von UNICEF weltweit rund 250.000 Jungen und Mädchen als Soldaten im Einsatz.

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Traumata überwinden

Die Wiedereingliederung von ehemaligen Kindersoldaten in die Gesellschaft stellt eine große Herausforderung dar. Die Kinder und Jugendlichen müssen ihre Traumata erst bewältigen, bevor sie die Chance auf ein neues Leben haben.

„Die Jungen wurden ausgebildet, um Schmerzen zuzufügen, zu töten und Leichen zu zerstückeln. Die Mädchen wurden von den Offizieren missbraucht und viele hatten Abtreibungen. Sie wissen, wie es sich anfühlt, nur noch sterben zu wollen", so Pater Rafael Bejarano, Direktor der Ciudad Don Bosco in Medellín.

Ihre Familien oder frühere Freunde wollen oft nichts mehr mit ihnen zu tun haben. Sie grenzen sie aus, weil sie „Blut an ihren Händen" haben. Denn manche mussten auf Befehl der Rebellen sogar eigene Familienangehörige umbringen.

Um die Traumata zu überwinden, brauchen ehemalige Kindersoldaten professionelle Hilfe. Bei Don Bosco sind Pädagogen, Psychologen und Sozialarbeiter rund um die Uhr im Einsatz.

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Zusammenleben lernen

Auch die Regeln des sozialen Zusammenlebens müssen die Jungen und Mädchen wieder erlernen.

„Die Jugendlichen haben den Großteil ihres Lebens damit verbracht, Befehle zu befolgen, ohne sie in Frage zu stellen oder gar zu widersprechen", so James Areiza, Koordinator des Schutzprogrammes für Kindersoldaten in der Ciudad Don Bosco. „Jetzt müssen sie wieder ganz alltägliche Formen des Zusammenlebens lernen und sie müssen Verantwortung für ihr Verhalten und ihre Mitmenschen übernehmen."

Vor 15 Jahren haben die Salesianer in der kolumbianischen Metropole Medellín ein Schutzprogramm für Kindersoldaten initiiert. Um die gesellschaftliche Integration zu erreichen, arbeiten die Don Bosco Mitarbeiter eng mit den Familien der Betroffenen zusammen. Bisher erhielten 2.300 Jugendliche Hilfe, rund 85 Prozent von ihnen fanden den Weg in ein neues Leben.

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Catalina und Manuel haben es geschafft. Sie blicken zuversichtlich in die Zukunft und wollen andere vor ihrem Schicksal bewahren. Deshalb sind sie auch Protagonisten des Films „Alto el fuego" (Waffenstillstand) geworden, in dem sie über ihre Vergangenheit als Kindersoldaten berichten. Denn sie haben viele Kinder und Jugendliche sterben sehen – zu viele.

Ihren Film haben sie Anfang des Jahres in Europa vorgestellt: in Brüssel, Madrid, Rom, Zürich und Bonn. Catalina und Manuel sind dankbar, dass sie ihrem Leben eine Wende geben konnten. Ihr größter Wunsch ist es, dass der Frieden in Kolumbien anhält und sie später eine Arbeit finden und eine Familie gründen können.

Keine Angst mehr vor der Zukunft

Manuel geht jetzt in eine Schule und bildet sich im Bereich Metallverarbeitung weiter. Bis er 14 Jahre alt war, konnte er weder lesen noch schreiben. In der Don Bosco Schule macht er bald einen Abschluss. Er ist glücklich und möchte die Schrecken der Vergangenheit hinter sich lassen. Dank Don Bosco hat er wieder ins Leben zurückgefunden.Catalina hat wieder Kontakt zu ihrer Mutter. Das macht sie überglücklich. Vor der Zukunft hat sie keine Angst mehr.

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Don Bosco Mission Bonn
Sträßchensweg 3
D- 53113 Bonn

Tel. +49 228 539 65-20
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V.i.S.d.P. Dr. Nelson Penedo, Don Bosco Mission Bonn

Fotos:
Misiones Salesianas Madrid
www.misionessalesianas.org

Text und Produktion:
Kirsten Prestin, Sabine Rittinger/Don Bosco Mission Bonn
www.donboscomission.de


*Die Namen aller Kinder und Jugendlichen in dieser Reportage wurden von der Redaktion geändert.

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